Warum bringen uns unsere Kinder oft um den Verstand?

Wutanfälle im Supermarkt, Machtspielchen ob die Jacke angezogen wird oder nicht, Brokkoli wird ausgespuckt, Zimmer aufräumen undenkbar und und und ……  Alltag mit kleinen (und grossen) Kindern.

ABER, hast du dich je gefragt was dein Kind motiviert sich so zu verhalten?

Alfred Adler, ein österreichischer Arzt und Psychotherapeut, brachte das kindliche/menschliche Verhalten ziemlich gut auf den Punkt: alles was Kinder tun ist Ziel-motiviert und das primäre Ziel eines Kindes ist es, folgendes zu erreichen:

1. Bedeutung :

einen Stellenwert haben, fähig sein, Einfluss nehmen können, Bedeutung haben, für andere wichtig sein, respektvoll behandelt werden

2. Zugehörigkeit:

sich als wertvollen Teil der Gemeinschaft zu empfinden, Dazugehören und sich geliebt fühlen.

Sobald die grundlegendsten körperlichen Bedürfnisse eines Kindes für Nahrung und Schutz erfüllt sind, versucht es dann diese zwei grundlegenden emotionalen Bedürfnisse zu stillen:  Bedeutung und Zugehörigkeit.

Was bedeutet Zugehörigkeit und Bedeutung aus der Sicht eines Kindes?

In Bezug auf die Zugehörigkeit muss ein Kind wissen, wo es in seiner Familie steht und wie es emotional mit anderen Mitgliedern verbunden ist. Es braucht auch eine ausreichende Menge an positiver Aufmerksamkeit welche ihm hilft sich geliebt und dazugehörig zu fühlen.

Um ein Gefühl von Bedeutung zu haben, muss es sich als fähig wahrnehmen, indem es durch sinnvolle Beiträge zur Familie einen Unterschied macht. Verantwortung und Dinge selbständig machen zu können, erzeugt ein Gefühl von Macht.

Alle Menschen haben das Bedürfnis nach persönlicher Macht – ein Gefühl von freiem Willen oder Unabhängigkeit. Je älter dein Kind wird umso mehr Unabhängigkeit oder „Macht“ wird es fordern.

Dein Kind weiß es nicht einmal, aber es ist auf einer Mission, die Zugehörigkeit und Bedeutung zu bekommen welche es braucht. Werden diese beiden Grundbedürfnisse nicht auf positive Weise gestillt, dann wird es auf negative Verhaltensweisen zurückgreifen um zu bekommen was es möchte. Fehlverhalten ist nicht das eigentliche Problem – es ist nur ein Symptom eines tieferen Problems. Wenn wir die Ursachen beseitigen, wird das Fehlverhalten oft verschwinden oder vermindert und unsere Kinder bekommen was sie brauchen – auf eine positive Weise.

Wenn dein kleiner Schatz also einen Wutanfall bekommt, dir durch die ganze Wohnung folgt, das Essen auf den Boden schmeisst, dann möchte er oder sie dir damit eigentlich sagen:  „Ich möchte dazugehören und mich bedeutend fühlen, aber ich weiß nicht, wie ich das hinbekomme“

Da es seine Gefühle aber nicht in Worte fassen kann, wird geweint, geschrien, gejammert, oder in sonst einer (negativen) Weise auf sich aufmerksam gemacht.

Schnell lernt dein Kind dass diese Strategie funktioniert!

Wie lange schaffst du es ruhig zu bleiben, wenn du z.B. gerade mit deiner Freundin telefonierst und dein Kind an deinem Bein hängt und meint genau jetzt einen Nervenzusammenbruch haben zu müssen. Du wirst sauer und schimpfst mit deinem Kind – aber du unterbrichst dein Telefonat und schenkst deine gesamte Aufmerksamkeit nun ihm. Seine Taktik hat wieder funktioniert – es hat Aufmerksamkeit bekommen.  Die Schokolade im Supermarkt zu bekommen wird mit viel Geschrei erreicht. Mama ist es peinlich und um nicht noch mehr böse Blicke zu bekommen wird doch die Schokolade gekauft – und auch diesmal hat es  geklappt und dein Kind merkt dass es „Macht“ über dich ausüben kann.

Dein Schulkind wird dir nicht sagen: „Mama, ich habe in letzter Zeit kein tiefes Gefühl von emotionaler Verbindung zu dir und ich wünschte, du würdest mir mehr Aufmerksamkeit schenken.“

Oder etwa: „Es scheint, als hättest du mehr an deinem iPhone Interesse als auf mich zu achten.“ Auch sein Bedürfnis nach mehr Unabhängigkeit und Macht wird es dir nicht auf eine zivilisierte Art und Weise kommunizieren können.

Also wird auf eine verlässliche Strategie zurückgegriffen: Mama so lange in den Wahnsinn treiben bis sie mich einfach beachten muss oder macht was ich möchte.

Egal ob die Reaktion von Mama oder Papa positiv oder negativ war, erfüllte sie doch das Bedürfnis des Kindes nach Aufmerksamkeit oder Macht.

Dein Kind wollte positive Aufmerksamkeit; aber negative Aufmerksamkeit ist besser als überhaupt keine.

Was kannst du also machen um deinem Kind zu geben was es braucht aber gleichzeitig ihm beizubringen dass es nicht Mittelpunkt des Universums ist?!

1. „Special time“

Reserviere für dein Kind „special time“ mit Mama oder Papa. Falls du mehrere Kinder hast, dann hab für jedes Kind seine eigene „special time“ bei welcher die anderen Kinder nicht dabei sind.

Es genügen schon 10-15 Minuten, ein oder zweimal pro Tag. Auch wenn du vielleicht viel den Tag über mit deinem Kind verbringst, da du von zu Hause aus arbeitest oder in Elternzeit bist, respektiere diese spezielle Zeit mit deinem Kind. Bei grösseren Kindern kannst du eine feste Zeit abmachen, bei kleineren solltest du trotzdem klar machen dass ihr jetzt eure gemeinsame Zeit habt. In dieser Zeit darf sich das Kind aussuchen was es mit dir machen möchte. Sei es ein Buch vorlesen, mit Barbie oder Legos spielen, kurz um die Ecke auf den Spielplatz gehen usw. Fernsehen würde ich bei eurer gemeinsamen Zeit nicht empfehlen oder nur sehr selten. Sinn und Zweck dieser „special time“ ist es dass sich dein Kind von dir wahrgenommen fühlt, es eine enge Bindung zur dir aufbaut und nicht zu viel negative Aufmerksamkeit sucht.

Auch wenn du einen stressigen Alltag hast und nicht viel Zeit, versuche trotzdem ein paar Minuten am Tag exklusiv für dein Kind zu reservieren. Vielleicht direkt nach dem Aufstehen, bevor sich alle fertig machen und frühstücken, oder vor dem zu Bett gehen bei der Gute-Nacht-Routine….?

2. Negativem Verhalten keine Aufmerksamkeit schenken

Fach das Feuer nicht noch mehr an indem du dich auf Machtkämpfe mit deinem Kind einlässt. Möchte es seine Macht austesten, dann spiele einfach nicht mit.

Dein Kind mag sein Mittagessen nicht essen, oder das Essen landet auf Wänden und Boden? Dann nimm ihm den Teller weg und damit ist das Essen vorbei. Schimpfe nicht, erkläre ihm nicht gross warum es jetzt kein Essen mehr gibt, werde nicht wütend oder aufgeregt. Sei ganz ruhig, auch wenn es jetzt grosses Theater gibt. Wie gesagt, biete keinen Zündstoff und lass dich niemals auf einen Machtkampf ein – du verlierst! Du kannst kein Kind dieser Welt zwingen zu essen, zu schlafen usw. Das ist die Chance für dein Kind seine Macht über dich zu demonstrieren. Überlege dir wie es aus der Sicht eines 3-jährigen ist, einen Erwachsen dazu zu bringen verzweifelt wütend und schimpfend am Küchentisch zu sitzen und der er trotzdem seinen Willen durchboxen kann. Das macht Spass und gibt einen enormen Macht-Rausch.

Dein Ziel ist es nicht zu gewinnen, sondern deinem Kind beizubringen gute Entscheidungen zu treffen. Damit gibst du ihm indirekt Macht über die Situation- es kann sich benehmen und weiter essen, oder eben nicht und dann ist der Teller weg.

Es kann entscheiden seine Jacke anzuziehen und dann geht es auf den Spielplatz oder keine Jacke und ihr bleibt daheim.

Dadurch wirst du eine viel ruhigere Mama. Ganz ehrlich, findest du es toll zu dieser typischen nörgelnden, schimpfenden und nervigen Mama zu mutieren?!

3. Überfordere und unterfordere dein Kind nicht

Rudolf Dreikurs sagte: „Mache für dein Kind nie was es selbst machen kann“

Das schönste Geschenk welches du deinem Kind machen kannst, ist ihm ein Gefühl von Selbstverwirklichung zu geben, sich fähig zu fühlen, etwas zu können und einen wichtigen Beitrag zu leisten.

Zeig ihm wie es seine Schuhe selbst zubinden kann, auch wenn du es eilig hast und lieber schnell selbst machen möchtest. Hilf ihm Dinge welche es machen kann auch zu machen.

Gib ihm altersgerechte und kindgerechte Aufgaben daheim. Das zeigt ihm nicht nur, dass jeder seinen Teil zur Gemeinschaft leisten soll und ihm hilft Verantwortung zu übernehmen, sondern dass er wichtig ist und geschätzt wird. Überlege dir was dein Kind lernen kann und nimm dir Zeit es ihm beizubringen.

Lass es eine gewisse Entscheidungsfreiheit haben um ihm das Gefühl zu geben auch eine Stimme zu haben. So fühlt es sich mit einbezogen. Selbst Dinge welche es machen muss, kannst du so verpacken als ob es selbst entscheiden kann.

Z.B. Möchtest du erst Zähne putzen oder den Schlafanzug anziehen? Natürlich muss er beides machen, aber anstatt sich zu ärgern dass Mama schon wieder Anweisungen gibt, konzentriert er sich auf die Entscheidung.

Alles natürlich in einem angemessen Rahmen. Frag einen 2-jährigen nicht was er essen möchte und erwarte eine gesunde Antwort. Überfordere dein Kind nicht mit zu vielen Entscheidungen oder nicht altersgerechten. Es geht eher darum ihm das GEFÜHL zu geben entscheiden zu können. Mit zunehmendem Alter und Reife ändert sich das natürlich.

Du wirst sehen, wenn du deinem Kind mehr Selbstverwirklichung und persönliche Macht gibst, dann werden sich Machtkämpfe auf ein Minimum reduzieren.

Wenn du diese Tipps befolgst, wirst du bestimmt bald positive Veränderungen bei deinem Kind feststellen. Aber stress dich nicht und erwarte keine Perfektion, weder von dir noch von deinem Kind. Versuche es jeden Tag aufs Neue und hab Spass Mama oder Papa zu sein!

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